Vorwort

Bedrängend ist die Vorstellung, dass Millionen Menschen unter Panikattacken leiden, zumal wenn man weiß, welche Belastungen und Einschränkungen für den einzelnen damit verbunden sind. Der Beginn eines solchen Leidenswegs ist immer recht ähnlich. In einer ganz gewöhnlichen Alltagssituation - meist außerhalb des Hauses, zum Beispiel beim Einkaufen, an der Arbeitsstätte, in der Straßenbahn - ist eine sich schnell steigernde Unruhe zu spüren, die einhergeht mit körperlichen Veränderungen wie Herzklopfen, Schwitzen, Zittern und/oder Schwindelgefühlen, und zwar so deutlich, dass der Betroffene denkt, er bekomme einen Herzanfall, kippe gleich um, sterbe.

Die Verunsicherung durch dieses körperliche Geschehen ist besonders groß, weil der Betroffene keinen Zusammenhang zu einem äußeren Ereignis erkennen kann. Wenn er zum Beispiel gerade durch Unachtsamkeit fast überfahren worden wäre, gäbe es eine Erklärung für die körperliche Reaktion, aber so ...
Die daraufhin angestrengten ärztlichen Untersuchungen bleiben fast immer ohne körperlichen Befund. Erfreulich, könnte man meinen, ist man normalerweise doch froh, körperlich gesund zu sein. Nicht in diesem Zusammenhang.
Die Feststellung eines körperlichen Befundes würde dem Betroffenen zumindest eine Erklärung für das bieten, was er erlebt hat, und damit auch eine Richtung für das weitere medizinische Vorgehen aufzeigen. Nicht zu wissen, wie die Symptome zu erklären sind (und das oft nach Konsultation mehrerer Ärzte), sie anderseits aber so deutlich erlebt zu haben, macht aus der Ungewissheit eine massive Bedrohung. Die Folge ist ein ganz genaues Achten, Sich-Beobachten, ob und wann "es" wohl wieder auftritt. Und damit ist ein entscheidender und fataler Schritt getan hin zum Erleben genau der befürchteten Situation, dem Erleben der beeinträchtigenden körperlichen Empfindungen, Gefühle und Gedanken. Indem man bestimmte körperliche Empfindungen erwartet bzw. auf sie achtet, auch wenn sie erst nicht so deutlich sind, erlebt man sie intensiver.
Wenn Sie, lieber Leser, diese Zeilen lesen, dann haben Sie vermutlich nicht auf den Druck der Unterlage geachtet, auf der Sie sitzen oder liegen - aber Sie können ihn jetzt spüren, deutlicher als zuvor, allein durch die Tatsache, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit auf diese Wahrnehmung gelenkt haben.
Würden Sie nun denken, dass dieses Spüren der Unterlage ein Zeichen für eine schwere Krankheit ist, wäre die Folge sicherlich, öfter darauf zu achten, ob Sie es wieder spüren - und es genau dadurch auch wieder deutlicher empfinden.
Erlebt der Panik-Klient zum Beispiel kleine Veränderungen des Kreislaufs (Herzklopfen, erhöhter bzw. erniedrigter Blutdruck), dann nimmt er es überdeutlich wahr, bedingt durch die Aufmerksamkeitshaltung und die Befürchtung ("jetzt geht es wieder los") verstärkt sich das körperliche Geschehen, was wiederum zu noch katastrophaleren Gedanken führt ("ich sterbe gleich, keiner hilft mir" o. Ä.) - und das steigert nochmals die körperlichen Symptome.
Im Grunde sind es ganz natürliche Mechanismen, die zu diesem Teufelskreis führen. Körperlich ist der Mensch immer noch ein Steinzeitmensch, der darauf programmiert ist, bedrohlichen Situationen mit Flucht oder Kampf zu begegnen. Der Körper wird dabei zu größtmöglicher Leistungsbereitschaft getrieben ...
Dazu gehören zum Beispiel die Aktivierung des Kreislaufs und die vorbeugende Kühlung durch Schwitzen - genau das, was in der Panik-Situation so bedrohlich erlebt und durch entsprechende "Katastrophen-Gedanken" gesteigert wird!
Eine weitere massive Einschränkung der Lebensqualität entsteht dadurch, dass der Betroffene beginnt, Situationen (zum Beispiel Straßenbahn, Supermarkt, Auto) zu meiden, in denen er solche Panikattacken erlebt hat bzw. befürchtet. Das weitet sich immer mehr aus und kann soweit gehen, dass die Person schließlich überhaupt nicht mehr die Wohnung verlässt oder aber nur in Begleitung anderer.
Der beschriebene Teufelskreis, der zu dem Erleben solch massiver Körperreaktionen und Katastrophen-Gedanken (bis hin zur Todesfurcht) führt, ist selbstverständlich nur ein Teil dessen, was bei manchen Menschen dieses Panik-Geschehen hervorrufen kann.
Häufig ist bei solchen Personen festzustellen, dass ihnen in der Kindheit ein Bild der Welt vermittelt wurde, das vor allem gekennzeichnet ist durch Bedrohung, Angst und Obacht geben. In Hinweisen der Eltern wurde vorrangig darauf verwiesen, was alles gefährlich ist und worauf man achten muss; somit wurde eine Art "Angst-Grundhaltung" erzeugt. Des Weiteren treten die Panikattacken nahezu immer in Lebensphasen auf, in denen bisherige Lebensweisen abgelöst wurden durch neue Formen, die weitaus weniger den Bedürfnissen der entsprechenden Person gerecht werden (zum Beispiel eine Frau mit früher vielen sozialen Kontakten und einem erlebnisreichen Leben, die sich nach der Hochzeit als Hausfrau zurückzieht in das isolierte Leben einer Einfamilienhaus-Siedlung).
Das auf sich selbst zurückgeworfene Dasein ist generell eine bedeutsame Rahmenbedingung, die das Panikgeschehen fördert.
Wie bei dem oben dargestellten körperlichen Geschehen ist die Aufmerksamkeit der Panik-Klienten zunehmend mehr auf die eigene Person zentriert, so dass immer umfassender das verloren geht, was notwendig ist, um einem Menschen Halt und Stabilität zu geben - das Eingebundensein in Bezügen zu anderen Menschen, zu sinnvollen interessanten Aufgaben, zu einem insgesamt lebendigen Leben. Wobei hier von vorrangiger Bedeutung ist, dass die betroffene Person das so wahrnimmt und erlebt.
Hier liegt ein wesentlicher Ansatzpunkt von Psychotherapie: den Klienten zu unterstützen, seine Aufmerksamkeit weg von der eigenen Person auf äußere Ereignisse zu lenken, sei es, dass zum Beispiel alte Hobbys wieder interessant werden können, neue als interessant bzw. sinnvoll erlebte Aufgabenstellungen gefunden und/oder Kontakte zu anderen Menschen geknüpft werden und damit generell wieder einen Halt in seinem Leben aufzubauen.
Des Weiteren ist es therapeutisch sinnvoll, die oben dargestellte entstandene überdauernde Anspannung therapeutisch anzugehen.
Erfahrungsgemäß bieten hypnotisch erzeugte Entspannung und das Vermitteln von Selbsthypnose gute Möglichkeiten einer grundlegenden Spannungsreduktion. In der Trance-Arbeit wird darüber hinaus der Zugang des Klienten zu für ihn bedeutsamen Erlebnisinhalten ermöglicht und hierdurch inzwischen "verschüttete" bzw. neue Lebensbereiche entdeckt, die mit dazu beitragen, wieder ein lebendiges Leben zu führen.

Frau Krüger gibt mit ihrem Buch auf beeindruckende Weise Einblick in diese für sie so belastende und durch massive Einschränkungen gekennzeichnete Lebensphase. Damit stellt sie beispielhaft den Leidensweg vieler Menschen dar, die von Panikattacken betroffen sind. Für jemand aktuell oder ehemalig Betroffenen bietet das Buch sicherlich viel Vertrautes und Bekanntes.
Anderen Lesern mag es verdeutlichen, in welcher inneren Logik und vor allem welchem Leid ein Panik-Klient gefangen ist.
Für Menschen, die derlei Erfahrungen nicht gemacht haben, ist es kaum nachvollziehbar, was Menschen mit Panikstörung erleiden.
Und so wünsche ich dem Buch, dass es zu mehr Verständnis für Menschen führt, die eine derart die Lebensqualität beeinträchtigende Störung erleben.
Und vielleicht kann es Betroffenen Mut und Hoffnung vermitteln, indem es aufzeigt, wie die Autorin - allein und mit Unterstützung - sich ein lebenswertes Leben zurückerobert hat.

Hartmud Brinkhaus, Dipl.-Psych.
Institut für Hypnotherapie, Düsseldorf

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