Frauen sind deutlich häufiger betroffen
Schätzungen gehen davon aus, dass 0.5 bis 3.5 Prozent der Bevölkerung betroffen
sind. Dabei trifft man deutlich häufiger auf weibliche Patienten. Die Störung
tritt jedoch auch bei Männern auf. In der Literatur besteht Uneinigkeit darüber,
ob Trichotillomanie als Störung der Impulskontrolle wie bei Pyromanie, Kleptomanie
oder Spielsucht anzusehen ist, oder ob sie dem Bereich der Zwangserkrankungen wie Wasch-
oder Kontroll-zwänge zuzuordnen ist. Der durchschnittliche Beginn der Erkrankung
liegt im 12. bzw. 13. Lebensjahr, also zum Zeitpunkt der Pubertät. Daher stellt
sich die Frage, ob die Ursachen im hormonellen Bereich zu suchen sind. Bis heute konnte
dies nicht befriedigend beantwortet werden. Gelegentlich tritt Trichotillomanie auch beim
Säugling oder Kleinkind auf. Hierbei scheint es sich um eine andere Variante zu handeln.
Ursachen nicht geklärt
Was aber ist der Auslöser für Trichotillomanie? Darüber sind sich Experten
bis heute nicht einig. In ganz seltenen Fällen ist die Störung auf einen
Eisenmangel zurückzuführen und hört auf, wenn dieser behoben ist. Manche
Betroffene berichten über traumatische Ereignisse vor dem Ausbruch der Erkrankung.
Hierbei kann es sich um einen Unfall, die Scheidung der Eltern, Verlust eines nahen
Angehörigen oder Freundes handeln. Anderen wiederum fehlt jeglicher Kenntnisstand
über das Auftreten eines solchen Ereignisses in ihrem Leben.
Wie bei anderen psychischen
Erkrankungen wird auch hier davon ausgegangen, dass Trichotillomanie eventuell durch
zu wenig oder zuviel eines bestimmten Neurotransmitters entstehen kann. Kommen dann
noch andere ungünstige Faktoren hinzu, bricht die Krankheit aus. Vielleicht ist
es auch so, dass Stress die Entstehung von Trichotillomanie verursacht, wenn die
genetische Veranlagung dazu besteht. Möglicherweise könnte eine
Streptokokkeninfektion den Beginn der Erkrankung beeinflussen.
Zu den typischen Begleiterkrankungen der Trichotillomanie gehört die Zwangsstörung.
15 Prozent alter Betroffenen leiden zusätzlich an Wasch-, Kontroll- oder
sonstigen Zwängen. Vielfach gehören auch Depressionen dazu. Häufig
versuchen Patienten die Trichotillomanie alleine und ohne professionelle Hilfe in
den Griff zu bekommen. Sie bedienen sich dabei allerlei Tricks, wie dem Tragen von
Handschuhen oder Kopftüchern. Wenn sie es aber mit diesen Methoden nicht schaffen,
ihrem Problem entgegen zu treten, sind vielfach Depressionen, Frust, Scham oder auch
Minderwertigkeitsgefühle die Folge. Zusätzlich berichten Betroffene häufig
über das parallele Auftreten von Angstzuständen und Panikattacken.
Hände beschäftigt halten
Wie kann die Trichotillomanie behandelt werden? Hier gibt es, wie bei anderen
Störungen aus dem psychischen Bereich, die Möglichkeit Antidepressiva zu
verschreiben. Jedoch gibt es keine spezielle Gruppe dieser Medikamente, die besonders
für Patienten mit Trichotillomanie geeignet ist. Das bedeutet also, dass jeder
Betroffene auf die Medikamente anders reagiert. Dem einen kann damit geholfen werden,
dem anderen nicht. Es gibt aber zahlreiche Mittel, die sich für bestimmte Gruppen
von Betroffenen als hilfreich herausgestellt haben.
Spricht der Patient auf die Medikamente an und wird er dadurch daran gehindert, sich
weiter die Haare auszureißen, kann aber, wie bei anderen chronischen Erkrankungen
auch, eine lebenslange Einnahme des Mittels notwendig sein. In diesem Fall muss genau
zwischen dem Nutzen für den Patienten und den Nebenwirkungen des Präparates
abgewogen werden. Zusätzlich oder alternativ zur Medikamentengabe, werden Betroffene
mit einer Verhaltenstherapie behandelt. Hier erklärt der Therapeut dem Patienten
die Symptome und die damit zusammenhängenden Verhaltensweisen genau. Der Betroffene
wird angehalten, sich dahingehend zu beobachten, in welchen Situationen er verstärkt
an den Haaren zupft.
Tagebuchaufzeichnungen sollen ihm dabei helfen, den Rhythmus seines Handelns zu verstehen
und dem wirkungsvoll entgegenwirken zu können. Der Patient wird aufgefordert,
beispielsweise eine Handbewegung zu machen, die das Ausreißen von Haaren
unmöglich macht oder aber die Arme zu verschränken, bis der Drang
nachlässt. Betroffene versuchen sich damit zu helfen, dass sie ihre Hände
bei Tätigkeiten wie Lesen oder Fernsehen, wo es meist unbewusst zum Ausziehen
von Haaren kommt, beschäftigt hatten, mit Sticken, dem Spiel mit einem Stück
Schnur und dem Modellieren von Wachs.
Eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie ist ein Entspannungstraining. Wichtig ist
auch, dass der Patient bei den Erfolgen im Kampf gegen die Trichotillomanie bestärkt
wird, durch Anerkennung von Freunden und Verwandten. Er muss auch für sich selbst
herausfinden, welche Möglichkeiten für ihn persönlich bestehen, den
Kampf gegen die Trichotillomanie zu gewinnen.
HINWEISE:
Zwang Aktuell, Ausgabe 2/98
Carol Novak:
Hindernisse zur Überwindung von zwanghaftem Haare ausreißen
www.angelfire.com/mt/trichpages/index.html
Website in englisch
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