| strassen gazette | Ausgabe 5 / Juli - August 2002 |
Panik - Chance für einen Neubeginn? von Astrid Krüger Heute kann ich diese Frage mit einem "Ja" beantworten. Obwohl es lange so aussah, als ob ich diese mysteriöse Krankheit nie besiegen würde. Plötzlich und unerwartet trat sie vor mehr als sieben Jahren in mein Leben und beschlagnahmte mich vollkommen. Einen Namen bekamen meine Beschwerden sehr schnell, aber den Zusammenhang zwischen Herzrasen, Schweißausbrüchen, Schwindelanfällen, Atemnot, dem Gefühl einer drohenden Ohnmacht oder gar des plötzlichen Todes und dem Begriff. "Panik" wusste ich einfach nicht zu erfassen. Ärzte und Neurologen erwiesen sich dabei als wenig hilfreich. Zwar begann ich schon kurze Zeit später mit meiner ersten Psychotherapie, aber was nutzte diese, wenn ärztlicherseits nicht einmal der geringste Versuch unternommen wurde, mir meine Beschwerden begreiflich zu machen. Statt dessen begann die fanatische Suche nach der möglichen Ursache. Von Vergewaltigung, einem prügelnden Elternhaus oder alkoholbedingten Problemen war die Rede. Jedoch verlief mein Leben bis dato völlig normal, und alle diese möglichen Auslöser für Panik kamen für mich nicht in Frage. Daraufhin behauptete der Arzt einfach, dass ich nicht bereit wäre, zuzugeben, welches denn nun letztlich mein persönliches Problem wäre. Über diese Unterstellung war ich geradezu "entsetzt", schließlich war immer noch ich die Kranke und besonders an einer Klärung der ganzen Angelegenheit interessiert. Der "Erfolg" dieser mehr als merkwürdigen Therapie ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem halben Jahr war ich fix und fertig. Eine zweite und auch dritte Psychotherapie folgten. Immer wieder bohrende Fragen, immer wieder die Behauptung, ich würde ein Geheimnis verbergen. Nach zweieinhalb Jahren konnte ich dann erstmalig wieder arbeiten gehen. Ein kleiner Erfolg zumindest schien sich langsam einzustellen. Doch ich wurde wieder krank. Diesmal mit einer Athritis im Rücken. Statt diese aber eindeutig zu diagnostizieren, machten die Ärzte daraus einfach eine Variante der Panik. Noch heute kämpfe ich dafür, als Panikpatient auch das Recht auf eine weitere Krankheit zu haben. Immer und immer wieder bekam ich neue Panikschübe, warum und weshalb, diese Frage blieb mehr als fünf Jahre ungeklärt. Da endlich kam die Lösung in Sicht. Mein Onkel brachte mir eines Tages einen Zeitungsartikel mit, der den Zusammenhang zwischen Panikanfällen und Unfällen zur Sprache brachte. Schlagartig dämmerte mir, wo denn wohl meine eigene Panik herrührte. Mit dem Wissen, dass auch Unfälle zu Panikanfällen führen können, wurde der Ausstieg aus dem ständigen Gefühl der Angst für mich deutlich einfacher. Endlich entschloss ich mich, meinem Leben völlig neue Impulse zu geben. Die Trennung von meinem Freund war ein Schritt hierzu. Außerdem machte ich einen Urlaub. Plötzlich erkannte ich, wie viel schöne Dinge es im Leben außerhalb der Panik noch gibt und wie ich diese gezielt gegen einen drohenden Anfall einsetzen kann. Außerdem begann ich, trotz aller Misserfolge, noch eine weitere Psychotherapie bei einem endlich fähigen Psychologen, der es schaffte, mich in die richtige Bahn zu lenken, mich immer wieder bei allen Bemühungen zu unterstützen, meine Aufmerksamkeit weg von der Panik zu lenken. Heute bin ich wieder in der Lage, ein eigenständiges Leben zu führen. Ganz beschwerdefrei werde ich wohl nie wieder sein, aber ich habe gelernt, die Panik als Bestandteil in meinem Leben aufzunehmen, aber dennoch nicht zuzulassen, dass sie mich zu sehr einschränkt. Astrid Krüger Die Autorin hat über ihre Erfahrungen mit Ärzten, Therapeuten, Behörden und Krankenkassen ein offenes und spannendes Buch geschrieben: Astrid Krüger: Panik - Chance für einen Neubeginn? |
Angststörungen:
Selbsthilfe-Initiative für Menschen mit
Angst-Panik-Gefühlen DASH - Deutsche Angststörungenhilfe und
Selbsthilfe Christoph-Dornier-Stiftung Wiese e.V. Paritätischer Wohlfahrtsverband -
Selbsthilfebüro Darmstadt
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