Astrid Krüger:

Interview zum Thema Fehlgeburt mit Dr. Volker Steckelbroeck

Dr. Volker Steckelbroeck ist nach einem Medizinstudium in Bonn seit 1995 als Assistenzarzt in der Gynäkologie des Marienhospitals in Brühl tätig. Seit 1999 ist er Facharzt für Frauenheilkunde und trägt seit 1997 die Zusatzbezeichnung Homöopathie.

Schwangerschaft und Geburt. Sicherlich jede Frau wünscht sich, daß diese Zeit gut verläuft und es nicht zu Komplikationen kommt. Dennoch treten immer wieder unvorhersehbare Ereignisse auf, die im Extremfall in einer Fehlgeburt enden können. Wie kommt es dazu?

Die häufigste Ursache für Fehlgeburten ist ein fehlerhafter Erbcode, der dadurch zustande kommt, daß sich bei der Bildung der Gameten (Erbgut des Vaters beziehungsweise der Mutter) sehr rasch Fehler einstellen können. Man kann es mit einem Kartenspiel vergleichen. Wenn man zwei Kartenspiele miteinander vermischt und eine Karte fällt heraus oder man mischt eine zuviel herein, stimmt die Gesamtanzahl nicht mehr. Beim menschlichen Erbgut führt dies in den meisten Fällen zur Fehlgeburt.

Ein weiterer wichtiger Grund ist eine Fehlanlage der Gebärmutter, wodurch die Eieinnistung erschwert wird. Andere Ursachen sind entzündliche Prozesse (aufsteigende bakterielle Entzündungen aus der Scheide). Außerdem reagiert die junge Frucht sehr empfindlich auf äußere Einflüsse wie Gifte, Nikotin, Alkohol, Medikamente, Strahlen, Fieber oder Viruserkrankungen.

Wie häufig treten generell Schwierigkeiten während einer Schwangerschaft auf? Wie viele Komplikationen enden dabei mit einer Fehlgeburt?

Rein statistisch gesehen erlebt jede dritte Frau in ihrem Leben eine Fehlgeburt. Obwohl die Schwangerschaft keine Krankheit ist, gibt es die unkomplizierte Schwangerschaft ohne Schwierigkeiten kaum. Leichte Komplikationen überwiegen, schwere treten selten auf. Als leicht zu bezeichnen sind Übelkeit, leichte Blutungen in der Frühschwangerschaft, vorzeitige (nicht muttermundwirksame) Wehen sowie Pilzinfektionen.

Zu den schweren Komplikationen gehört die Gestose (SIH - die schwangerschaftinduzierte Hypertonie), im Volksmund Schwangerschaftsvergiftung genannt.

Fehlgeburten sind in der Frühschwangerschaft, bis zur 12. Woche, häufig und werden danach sehr selten.

Davon zu unterscheiden sind Todgeburten. Damit sind lebensfähige Kinder gemeint, die intrauterin versterben. Dies tritt gehäuft bei Diabetes mellitus, Plazentainsuffizienz (einer Fehlfunktion des Mutterkuchens) auf.

Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn die Schwangerschaft in einem noch nicht lebensfähigen fetalen (embryonalen) Alter beendet wird. Dabei bezeichnet man eine Fehlgeburt bis zur 12. Woche als frühen, danach als späten Abort.

Bis zur 12. Woche kann praktisch jede Komplikation mit einer Fehlgeburt enden. Es gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Welche Symptome lassen an eine drohende Fehlgeburt denken?

Beschwerden wie Unterbauchschmerzen, Blutungen oder Fruchtwasserabgang aus der Scheide sind immer als Alarmzeichen zu werten. Bemerkt eine Frau diese Symptome, sollte sie sofort einen Gynäkologen konsultieren und gegebenenfalls in eine Klinik gehen.

Gibt es bestimmte Faktoren, die eine Fehlgeburt begünstigen?

Zu diesen Faktoren zählen bakterielle Scheideninfektionen, das Rauchen, vorherige Gebärmutteroperationen (Konisation), vorangegangene Fehlgeburten, steigendes Alter der Mutter, soziale Faktoren sowie Gifte wie Alkohol, Drogen oder Umweltgifte.

Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlebt haben, sind sicherlich unsicher diesbezüglich, noch einmal schwanger zu werden. Sie befürchten, noch einmal das selbe zu erleben. Wie groß ist die Gefahr, daß es bei einer erneuten Schwangerschaft tatsächlich zu einer weiteren Fehlgeburt kommt?

Das Risiko ist erhöht, wobei eine vorangegangene Fehlgeburt nur ein einziger von mehreren begünstigenden Faktoren ist. Das Risiko ist vor allen Dingen dann erhöht, wenn Gebärmutterfehlbildungen die Ursache für die Fehlgeburt darstellen.

Welche medizinischen Möglichkeiten stehen solchen Frauen zur Verfügung?

Frauen, die gehäuft Fehlgeburten hatten, können die Fehlgeburt auf genetische Fehlbildungen/Erbkrankheiten untersuchen lassen. Daraufhin folgt ein Mundabstrich oder eine Blutabnahme bei der Patientin und ihrem Partner zur Abklärung genetischer Erkrankungen.

Weiterhin sollte eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) zum Ausschluß von Gebärmutterfehlbildungen, gegebenenfalls kombiniert mit einer Bauchspiegelung, erfolgen. Okkulte (versteckte) bakterielle Scheideninfektionen kann der Gynäkologe mit einem Abstrich und mittels einer Kultur feststellen.

Ist eine vorausgegangene Gebärmutteroperation mit der Folge einer Cervixinsuffizienz (d.h. Verkürzung und frühzeitige Eröffnung des Gebärmutterhalses (= Cervix)) die Ursache für Fehlgeburten kann eventuell eine Cerclage helfen (dabei wird ein Sicherungsband um den Gebärmutterhals genäht, um so möglichst eine Fehlgeburt zu verhindern).

Herr Dr. Steckebroeck, vielen Dank für dieses Interview.

 

© Astrid Krüger
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